Was Sie über die Homöopathie wissen sollten:
Vorwort
Homöopathie - was versteht man unter diesem
Begriff ?
Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden
- was bedeutet das ?
Samuel Hahnemann - der Begründer der
Homöopathie ?
Was sind nun die eigentlichen Prinzipien
der Homöopathie ?
Kann ein homöopathisch
"verdünntes" Heilmittel überhaupt wirken ?
Was versteht man im homöopathischen Sinn unter
Krankheit ?
Was ist der Unterschied zwischen der
klassischen Homöopathie und der Schulmedizin ?
Wo liegen die Grenzen der Homöopathie ?
Welches sind die Vorteile der Homöopathie
?
Welches sind die Vorteile der Schulmedizin
?
Wann Homöopathie, wann Schulmedizin ?
Gibt es neben der klassischen Homöopathie
andere homöopathische Therapieformen ?
Wie verläuft die Behandlung bei einem klassischen
Homöopathen ?
Was ist bei der homöopathischen Therapie zu
beachten ?
Gibt es andere Substanzen, welche die Wirkung
des Homöopathikums negativ beeinflussen oder gar stoppen können ?
Müssen schulmedizinische Mittel während
einer homöopathischen Therapie abgesetzt werden ?
Wer ist ein klassischer Homöopath ?
Kommt eine homöopathische Behandlung für
mich in Frage ?
Was kostet eine homöopathische Behandlung ?
Von interessierten Laien und Patienten höre ich immer wieder die Frage:
" Was ist eigentlich Homöopathie? ·' Wie kommen die erstaunlichen Heilungserfolge überhaupt zustande? Ist Homöopathie nicht einfach ein Superplacebo, ein Scheinmedikament? Wie soll man sich die Wirkung der Homöopathie vorstellen?
Mit dieser Broschüre versuche ich, diese und ähnliche Fragen zur Homöopathie zu beantworten. Ich hoffe dadurch interessierten Menschen die klassische Homöopathie näher zu bringen.
"Aude sapere!" -" Wage, zu wissen" dies war ein Leitsatz, den Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie tagtäglich als Schüler über dem Eingangsportal.seiner Schule in Meissen lesen konnte. Diesen Denkspruch von Horaz kann man auch übersetzen als "Wage weise zu sein" oder "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen". In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen anregenden Einstieg in die Welt der klassischen Homöopathie.
Meine Ausführungen sind länger geworden als ich ursprünglich geplant hatte. Man möge mir dies verzeihen. Mein Ziel war es dazu beizutragen, dass die Homöopathie begreifbar wird. Kurze, oberflächliche Ausführungen genügten mir dazu nicht.
Wegen der einfacheren Lesbarkeit habe ich auf die gleichzeitige Nennung der weiblichen und männlichen Form verzichtet. Es sind selbstverständlich immmer beide Geschlechter gemeint.
Danken möchte ich meinen Vorstands-Kolleginnen und Kollegen des Vereins zur Förderung der klassischen Homöopathie (VFKH) und den Herren Dres. Med. K. Halter und A. Erlach vom Schweizerischen Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte (SVHA) für die Durchsicht des Manuskriptes und ihre Kritiken und Anregungen. Bedanken möchte ich mich auch bei meiner Ehefrau für die Korrekturen und bei Frau O. Tempelman, welche die Illustration und Gestaltung dieser Broschüre übernahm.
Bern, im August 1996
Dr. med. Emil Breu
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Homöopathie - was versteht man unter diesem Begriff ?
Das Wort "Homöopathie" leitet sich aus den griechischen Wörtern "homoion" = ähnlich und "pathos" = Krankheit/Leiden her, Im Gegensatz dazu steht die "Allopathie" von griechisch "allos" = anderer und "pathos" = Krankheit/Leiden. Mit Allopathie bezeichnete Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, die damalige Universitätsmedizin, Auch heute wird der Begriff Allopathie für die Schulmedizin noch gebraucht. Homöopathie bedeutet also "ähnliches Leiden". Damit ist gemeint, dass "Ähnliches durch Ähnliches" geheilt werden soll. Allopathie heisst im Gegensatz dazu "anderes Leiden". Dies bedeutet, dass eine Krankheit durch eine ihr entgegengesetzte Substanz geheilt werden soll.
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Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden - was bedeutet das ?
Das Ähnlichkeitsprinzip besagt, dass eine Substanz, die bei Gesunden gewisse Symptome auslösen kann, ähnliche Symptome bei Kranken heilen kann. Ich möchte Ihnen dazu ein Beispiel geben: Wenn Sie Zwiebeln schneiden, beginnen nach einer gewissen Zeit Ihre Augen zu tränen und zu brennen, später läuft Ihnen die Nase.
Die Absonderung aus der Nase ist reichlich, wässerig und scharf. Die Beschwerden werden besser, wenn Sie sich an die frische Luft begeben. Das homöopathische Mittel Allium cepa (die Küchenzwiebel) ist in der Lage einen chronischen Schnupfen, der mit Tränen- und Nasenfluss einhergeht und an der frischen Luft besser wird, zu heilen. Das Ähnlichkeitsprinzip war bereits Hippokrates (ca. 460 - 377 v. Chr.), dem Urvater unserer westlichen Medizin, bekannt. Er sagte; "Die Krankheit entsteht durch Einflüsse, die ähnlich wie die Heilmittel wirken, und der Krankheitszustand wird beseitigt durch Mittel, die ähnliche Erscheinungen hervorrufen wie er". Später formulierte auch Paracelsus (1493 -1541) das Ähnlichkeitsprinzip. Die Hauptaufgabe des Arztes ist nach Paracelsus "die Förderung der Selbsthilfe der Natur". 1762 schrieb der Wiener Arzt Anton Stoerck über Versuche mit den Giftpflanzen Stechapfel, Bilsenkraut und Sturmhut: "Wenn der Stechapfel (Stramonium) durch Verwirrung des Geistes Gesunde geisteskrank macht, warum darf man dann nicht den Versuch machen, ob es nicht, indem es den Geisteskranken und Verrückten die Gedanken und die Sinne stört und ändert, Geistesgesundheit geben und den mit Krämpfen Behafteten andererseits die Krämpfe nehmen könnte?" Zitat aus dem "Handbuch der Homöopathie" von M. Dorcsi. 1790 postulierte auch Hahnemann das Ähnlichkeitsprinzip. Hahnemann hatte zu jener Zeit seine Arztpraxis endgültig aufgegeben. Er war enttäuscht und verärgert über die damals herrschenden Heilmethoden. Er wetterte in zahlreichen Schriften gegen die zweifelhaften Therapien, mit welchen den Patienten mit Brechmitteln, durchfallerzeugenden Substanzen, Blutegeln und Ziehpflastern die letzten Säfte und Kräfte aus dem Leib gezogen wurden, Er zeichnete ein Horrorbild der damals herrschenden Heilkunde, welche "zur elenden Brotklauberei, zur Symptomenübertünchung und zum erniedrigenden Rezepthandel" verkommen war. Er wollte kein "Verschlimmerer des Leidens seiner Mitbürger sein ".
Der sprachgewandte Hahnemann (er soll über sieben verschiedene Sprachen beherrscht haben) verdiente damals den Lebensunterhalt für sich und seine Familie mit Übersetzungen von medizinischen Schriften. Beim Uebersetzen der Arzneimittellehre des schottischen Arztes und Pharmakologen William Cullen stiess er auf die Behauptung, dass die Chinarinde die Malaria durch ihre magenstärkende Wirkung heilt, Diese Aussage bezweifelte Hahnmann und nahm nun selbst das Pulver der Chinarinde ein. Dabei traten bei ihm Symptome auf, die dem Wechselfieber, der Malaria, ähnlich waren. Er begann zu frösteln, die Zehen und Fingerspitzen waren ihm kalt, er fühlte sich müde und matt, sein Herz klopfte wie wild, sein Puls war hart und schnell, das Gesicht rötete sich, er reagierte auf Berührung der Haut überempfindlich, hatte Durst. Dieser Zustand dauerte ungefähr zwei bis drei Stunden an. Jedesmal wenn Hahnemann vom Chinarindenpulver einnahm, begannen die Symptome von neuem. Diese Erfahrung führte Hahnemann dazu, weitere Arzneimittel (z. B. Belladonna - die Tollkirsche,
Aconit - den Eisenhut usw.) an sich selbst und an Mitgliedern seiner Familie auszuprobieren. In der Folge konnte er bestätigen, dass diese Arzneien beim Gesunden ähnliche Symptome erzeugten, wie sie beim Kranken heilen konnten.
Hahnemann war der erste, der systematisch und genau protokollierte Arzneimittelprüfungen an gesunden Versuchspersonen durchführte. Das Wesen eines Arzneimittels, seine Kraft und Wirkung offenbart sich in der Prüfung am gesunden Menschen. 1796 veröffentlichte Hahnemann in Hufelands "Journal der praktischen Arzneikunde" (dieses Journal war zu jener Zeit die angesehenste medizinische Fachzeitschrift) seine Erkenntnis vom "Ähnlichen, das Ähnliches heilt" unter dem Titel "Versuche über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen nebst einigen Blicken auf die bisherigen". Der Grundstein zur Verbreitung der Homöopathie war gelegt.
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Samuel Hahnemann -Der Begründer der Homöopathie-

Eine kleine Biogrographie
Am l0. April 1755 wurde Christian Friedrich Samuel Hahnemann in Meissen an der Elbe geboren. Sein Vater war Porzellanmaler und relativ arm. Das Lesen und Rechnen wurde Hahnemann, welcher schon von klein auf Arzt werden wollte, von seinem Vater beigebracht. Der Besuch des Gymnasiums St. Afra in Meissen war Hahnemann nur dank eines Gönners möglich. Hahnemann erwies sich als sehr talentiert, sodass er bereits als Schüler für die Erteilung des Griechischunterrichtes herangezogen wurde.
Im Alter von 20 Jahren begann Hahnemann sein Medizinstudium in Leipzig. Er verdiente sich sein Studium mit Übersetzungen und als Sprachlehrer. 1777 ging er nach Wien, um seine Studien am "Spital der barmherzigen Brüder" fortzusetzen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten musste Hahnemann vorübergehend sein Studium unterbrechen und die Stelle eines Bibliothekars annehmen. Dadurch hatte er aber auch Zugriff zu alten medizinischen und philosophischen Schriften. In Erlangen schloss Hahnemann dann 1779 sein Medizinstudium ab und promovierte zum Doktor der Medizin. Die "Wanderjahre" begannen. 1782 verheiratete er sich mit Henriette Küchler, der Stieftochter eines Apothekers. Hahnemann litt stark unter den damaligen Missständen der Medizin. Das während seines Medizinstudiums erworbene Wissen stellte ihn keineswegs zufrieden. Die traditionelle Arzneikunst schien ihm sehr spekulativ. Die schweren Nebenwirkungen der Arzneien führten oft zu Siechtum und zum Tod der Patienten. Enttäuscht über die damaligen Zustände in der Medizin gab Hahnemann vorübergehend seine ärztliche Tätigkeit auf, Er verdiente den Lebensunterhalt für seine inzwischen kinderreiche Familie mit Übersetzen von Büchern aus dem Französischen, Italienischen und Englischen. Daneben verfasste er eigene Werke auf dem Gebiete der Chemie, Pharmazie, Hygiene, Gesundheitspflege und Erziehung. Er kritisierte öffentlich die Mängel und schädlichen Auswirkungen der gebräuchlichen Heilmethoden seiner Zeitgenossen. Er suchte nach neuen Behandlungsmöglichkeiten bis er 1796 das Ähnlichkeitsprinzip formulierfe:
"Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden erregen kann, wie sie heilen soll."
Im Laufe seiner Forschungen merkte Hahnemann allerdings, dass Patienten, die von ihm mit dem "ähnlichen" Mittel behandelt wurden, starke Erstreaktionen zeigten. Er hatte zu starke Konzentrationen der Heilmittel verabreicht. Aus diesem Grunde begann er seine Mittel zu verdünnen, beziehungsweise zu potenzieren. 1801 erschien in Huflands "Journal der Heilkunde" ein Artikel Hahnemanns mit dem Titel "Die Kraft kleiner Gaben der Arznei". 1806 forderte Hahnemann in einem weiteren Aufsatz die Gabe von "einfachen, unvermischten Arzneien ".1827 sprach Hahnemann zum ersten Mal vom Potenzieren, der speziellen, dynamischen Verdünnungsarf. Schon lange vorher hatte Hahnemann erkannt, dass er die besten Heilerfolge mit hoch- und höchstverdünnten Arzneien hatte. Die erste fragmentarische Arzneimittellehre (Materia medica) von Hahnemann wurde 1805 herausgeben. Darin beschreibt er 27 vorwiegend pflanzliche Arzneimittel, welche er durch Prüfungen an sich selbst und an Freiwilligen erforscht hatte und nach dem Ähnlichkeitsprinzip anwandte. Später veröffentlichte er weitere ausführliche Arzneimittellehren. 1810 erschien "Das Organon der Heilkunst", das Hauptwerk Hahnemanns, in dem er seine Lehre und die dazugehörigen Anweisungen niederschrieb.
Die Homöopathie ist die einzige medizinische Lehre die von einer unveränderten Grundidee, der Ähnlichkeitsregel, ausgeht und seit über 200 Jahren in ihren Prinzipien beständig ist.
Als Organon bezeichnet man nach Aristoteles die logischen Hilfsmittel der Argumentationstechnik und des systematischen Aufbaus der Wissenschaften. Das Organon von Hahnemann ist wie ein Gesetzeswerk in Paragraphen (§) eingeteilt.
Um seine Lehre weiter zu verbreiten, begann Hahnemann Vorlesungen an der Universität von Leipzig zu halten. Mit 56 Jahren habilitierte sich Hahnemann und wurde Professor. Sein unbeirrbares Eintreten für die neue Methode und die klare Ablehnung der herkömmlichen Medizin brachten ihm nicht nur Anerkennung sondern auch viele Feinde. Für die Reinerhaltung seiner Lehre konnte er sehr eigensinnig und rücksichtslos sein. Gegen Abweichler von der "reinen Homöopathie" wurde er oft ausfällig, Mit seinen Studenten war er häufig ungeduldig. Zu jener Zeit war Hahnemann als Arzt sehr erfolgreich. Aus ganz Europa reisten Leute zu ihm, um sich behandeln zu lassen. 1829 stirbt seine Frau Henriette. 1835 entschliesst sich Hahnemann nochmals zu heiraten, die vierunddreissigjährige Malerin Melanie DHervilly aus Paris wird seine Frau. Sie siedeln noch im gleichen Jahr nach Paris über, wo Hahnemann am 2. Juli 1843, achtundachtzigjährig, stirbt. Angespornt durch seine junge Gattin entwickelt Hahnemann während seiner Pariser Zeit noch einmal eine grosse Schaffenskraft als Forscher und Arzt. Die Homöopathie ist die einzige medizinische Lehre, welche von einer unveränderten Grundidee, der Ähnlichkeitsregel, ausgeht und seit über 200 Jahren in ihren Prinzipien beständig ist.
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Was sind nun die eigentlichen Prinzipien der Homöopathie ?
Die klassische Homöopathie stützt sich auf drei Säulen ab:
1. Das Ähnlichkeitsprinzip:"Similia similibus curentur - Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden".
2.
Arzneimittelprüfungenam gesunden Menschen. Tierversuche wer den in der Homöopathie keine durchgeführt. Sie sind nicht nötig.
3.
Das Potenzieren von Heilmitteln, ein spezielles dynamisches Verdünnungsverfahren.
Die Wirkung des Ähnlichkeitsprinzips ist eigentlich nicht erklärbar.Dennoch erleben wir tagtäglich, dass Arzneimittel, welche nach der Regel "Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden" ausgewählt sind, heilen. Dass das Heilprinzip der Ähnlichkeit wirklich existiert, zeigt sich immer dann, wenn zuerst ein falsches homöopathisches Mittel verabreicht wird und keine Besserung der Beschwerden oder der Krankheit eintritt. Wird dann aber das richtige, das möglichst ähnliche Mittel gegeben, kommt es zur Heilungung.
Die Homöopathie ist arzneiliche Regulationstherapie, welche die Selbsthei-
lungs- und Regulationskräfte des Organismus anregt .
Ich möchte Ihnen hierzu ein Beispiel geben:
Ich werde von der Mutter eines 5- jährigen Mädchens angerufen. Seit ein paar Stunden hat das Kind hohes Fieber, nachdem es draussen, dem kalten Wind ausgesetzt, gespielt hat. Die Mutter gab dem Mädchen das homöopathische Mittel Belladonna - die Tollkirsche. Nichts geschah, das heisst, das Fieber stieg sogar noch weiter an. Die Mutter berichtet, die Kleine habe seit etwa einer halben Stunde grosse, unerklärbare Angst. Trotz des hohen Fiebers schwitze sie überhaupt nicht. Sie verlange nach kalten Wasser und wolle möglichst flach im Bett liegen. Ich verordne das Arzneimittel Aconitum den Eisenhut. Weniger als eine halbe Stunde nach Einnahme des Mittels verschwindet die Angst des Kindes, es wird ruhig und schläft ein. Das Fieber sinkt und nach dem Aufwachen fühlt sich das Kind wieder wohl und gesund.Die Symptome und die auslösende Ursache für das Fieber (der kalte Wind) entsprachen nicht dem homöopathischen Mittel Belladonna sondern Aconit, welches auch prompt half. Nach Hahnemann, welcher nichts von grossen theoretischen Erklärungen und "Ergrübelungen" hielt, ist "Krankheit eine besondere, dynamische Verstimmung der Lebenskraft... ". Wird dem Kranken nun eine Arznei gegeben, welche bei einem Gesunden eine ähnliche, dynamische, aber künstliche Krankheit verursacht, " ..wird die Lebenskraft nun von der stärkeren, künsflicheri Krankheifsaffektion beschäftigt.... und lässt den Kranken frei und genesend zurück" (aus dem Organon, § 29).
Die Homöopathie ist eine arzneiliche Regulationstherapie, welche die Selbstheilungs- und Regulationskräffe des. Organismus anregt .Wie dieser Anstoss zur Selbstheilung durch den Arzneireiz zustande kommt, wissen wir nicht.
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Um die Heilwirkung eines Arzneistoffes zu ergründen, gibt es nur den Weg der Prüfung des Stoffes in unverdünnter oder potenzierter Form am gesunden Menschen. Wir alle machen häufig selbst, ohne es zu merken, Arzneimittelprüfungen durch. Ich habe bereits das Beispiel der Küchenzwiebel erwähnt. Beim längerem Schneiden von Zwiebeln beginnen bei den meisten Menschen die Augen zu brennen, Tränenfluss tritt ein, die Nase rinnt.
Wenn man am Abend zuviel Kaffee getrunken hat, können viele von uns nicht mehr gut schlafen. Wir sind erregt und unsere Gedanken rasen umher. Wir verspüren heftiges, unregelmässiges Herzklopfen, wälzen uns im Bett. Dies sind alles Prüfungssymptome von Coffea. Aus diesem Grunde kann das homöopathische Mittel Coffea (Kaffee) bei bestimmten Formen von Schlaflosigkeit hilfreich sein.
Einige von uns mögen sich vielleicht noch an ihren ersten Rauchversuch erinnern. Vielleicht wurde es Ihnen dabei übel, Sie fühlten sich schwindlig, elendig, wurden kreideblass. Am liebsten wären Sie vielleicht gestorben. Genau diese Symptome können zum Beispiel auch bei Seekrankheit auftreten und werden prompt durch das homöopathische Mittel Tabacum geheilt.
Ein etwas anderes Beispiel einer homöopathischen Arzneimittelprüfung in potenzierter Form möchte ich Ihnen an dieser Stelle geben. Ein Patient von mir war wegen beruflichen Anforderungen sehr gestresst und konnte nicht mehr richtig schlafen. Aus diesem Grunde nahm er von sich aus täglich das homöopathische Mittel Nux vomica (Samen vom indischen Brechnussbaum) in der Potenz C 12 ein. Ungefähr eine Woche nach regelmässiger Einnahme des Medikamentes traten beim Patienten jeden Morgen nach dem Frühstück Übelkeit, Blähungen sowie saures, bitteres Aufstossen und Magenschmerzen auf. Diese Symptome hat er bisher nie gehabt. Diese Beschwerden sind als Prüfungs-
Um die Heilwirkung eines Stoffes zu ergründen, gibt es nur den Weg der Prüfung des Stoffes in unverdünnter oder potenzierter Form am gesunden Menschen
symptome von Nux vomica bekannt. Nachdem der Patient das Mittel abgesetzt hatte, verschwanden die Beschwerden prompt. Die unüberlegte Einnahme von homöopathischen Mitteln über längere Zeit kann also durchaus zu unangenehmen Nebenwirkungen führen oder sogar Schaden anrichten.
Hahnemann war einer der ersten, der das Experiment ( = die Arzneimittelprüfung) als gezielte Fragestellung an die Natur anwandte. Seine Frage war: " Wie reagieren gesunde Versuchspersonen auf einen Arzneireiz?"
Die Prüfer reagieren auf die Arznei mit einer Kunst- oder Arzneikrankheit. Die Prüfer werden künstlich krank. Es wird ihnen - bezogen auf das oben erwähnte Beispiel des ungewohnten, erstmaligen Zigarettenrauchens - zum Beispiel übel, schwindlig, sie werden blass.
Hahnemann prüfte selber über 100 Arzneimittel. Seine Berichte enthalten alle Befindungsänderungen, körperlichen Symptome, Träume - kurz alle neuen, bisher unbekannten Symptome und Veränderungen an "Leib, Seele und Geist", die bei den Prüfern auftraten, nachdem sie den Prüfungsstoff eingenommen hatten. Alles wurde genau protokolliert. Ergänzt wurden diese Angaben durch Beobachtungen bei Vergiftungen durch die Prüfsubstanz und Wirkungen bei Anwendung an Kranken.
Homöopathische Arzneimittelprüfungen sind aufwendig. Die Mittel werden in verschiedenen homöopathischen Potenzen geprüft. Der Prüfungsleiter allein weiss, welches Mittel geprüft wird. Es werden Prüfungsperioden mit sogenannten Schein-Arzneien (Placebos) eingelegt. Ein Teil der Prüfer erhält überhaupt nur Schein-Medikamente. Dadurch wird die wissenschattliche Aussagekraft erhöht.
Die Prüfer müssen gesund sein. Die Prüfungsgruppe muss möglichst breit nach Alter und Geschlecht gestreut sein. Täglich schreiben die Prüter ausführliche Protokolle. Darin werden alle Abweichungen vom Gewohnten auf der körperlichen, psychischen und geistigen Ebene festgehalten.
Nach Abschluss der Prüfung werden die Protokolle in einem langwierigen Verfahren ausgewertet. Es geht unter anderem darum, die Symptome der Prüfer als tatsächliche Arzneiwirkung zu verifizieren. Die Objektivität und Intensität der Symptome müssen erfasst werden. Ein wahres Prüfungssymptom soll erstmalig und ungewohnt sein. Das Symptom soll über mehrere Tage der Prüfung anhalten und reproduzierbar sein. Es soll bei mehreren Prüfern auftreten. Das Symptom soll bei einem anderen Prüfer, bei welchem es bereits vor der Prüfung vorhanden war, erschwinden usw.
Das Wissen über die homöopathischen Arzneimittel ist reine menschliche Erfahrung und Empfindung und nicht Resultat von Apparaten und fragwürdigen Praktiken an Tieren. Das Wissen ist in den homöopathischen Arzneimittelbüchern, "Materia medica" genannt, zusammengefasst.
Heute sind bereits über 2500 verschiedene Stoffe homöopathisch geprüft. Es sind Stoffe aus:
- der
Pflanzenwelt z. B. Tollkirsche, Arnika, Eisenhut, Kamille, Fingerhut usw.- der
Tierwelt z. B. Schlangengifte, Hundemilch, Spinnen, Bienen, Ameisen usw.- der
Mineralwelt z. B. Eisen, Gold, Silber, Calcium, Silicate usw.-- aus
Krankheitsprodukten (Noso den genannt) angefertigt wie z. B. Tuberkulose-Eiter- anderen chemischen Stoffe z. B. Gasen wie Ozon, Wasserstoff usw.
Die verschiedensten Stoffe können bei Gesunden Kunstkrankheiten erzeugen . Die Stoffe setzen einen spezifischen Reiz. Durch die Reaktion des Organismus auf diesen Reiz werden sie zur heilenden Arznei.
Der Homöopath bezieht sein Wissen über die Arzneien aus den Arzneimittelprüfungen und aus seiner Erfahrung bei der Anwendung am Kranken.
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Zu Beginn seiner homöopathischen Tätigkeit verwendete Hahnemann die Arzneien noch im Urzustand, das heisst unverdünnt als sogenannte Urtinktur. Je nach Giftigkeit des Ausgangsstoffes traten aber häufig starke Nebenwirkungen auf. Auf der anderen Seite konnten unlösliche Mineralstoffe kaum aufgeschlossen werden und wirkten dadurch zum Teil nur wenig. Hahnemann beobachtete auch, dass die Empfänglichkeit und Reaktionsbereitschaft gegenüber Arzneien individuell verschie den ist. Sein Ziel war nun, eine Technik zur Minimierung der Dosis und zur Steigerung der Wirksamkeit zu finden.
Zunächst versuchte Hahnemann die Substanzen einfach zu verdünnen. Dadurch verringerte sich die Giftwirkung, leider aber auch die Heilkraft. Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit dem Problem fand er die Technik der Verreibung und Verschüttelung, Er nannte dieses Vorgehen Dynamisieren oder Potenzieren der homöopathischen Arznei (Potentia = Können/Vermögen, Dynamis = Kraft). Im homöopathischen Arzneimittelbuch (HAB), das Hahnemann vor allem für Apotheker geschrieben hatte und das noch heute Gültigkeit hat, gibt Hahnemann genaue Anweisungen zur Herstellung der Ausgangssubstanzen und deren Verarbeitung.
Beim Potenzieren einer flüssigen homöopathischen Arznei nimmt man vom Ausgangsstoff - der Urtinktur (z. B. Pflanzen-Presssaft oder zerkleinerte Pflanzenmassen mit AIkohol gemischt) -1 Tropfen, fügt 99 Tropfen eines Alkohol-Wasser-Gemisches dazu und versetzt dem Ganzen mindestens zehn starke Schüttelschläge. Auf diese Weise gelangt man zur C 1. Von dieser C1 wird wieder 1 Tropfen genommen, 99 Tropfen des Alkohol-Wasser-Gemisches dazugegeben und wiederum wird kräftig geschüttelt. So entsteht die C 2. Diese Potenz entspricht bereits einem Verhältnis Ausgangssubstanz zu Trägersubstanz von 1:10000. Bei der C 3 besteht bereits ein Verhältnis von 1 :1000000.
Die Gabe von homöopathischen Medikamenten in Potenzen von C 30, C 200 , C 1000 oder noch höher ist durchaus üblich.
Unlösliche Substanzen werden zuerst mit Milchzucker, ebenfalls im Verhältnis 1 :100, während mehrerer Stunden verrieben und auf diese Weise wird eine C 3 hergestellt.
Erst ab dieser Potenzstufe wird dann weiter flüssig potenziert. Neben den C-Potenzen (Centesimal 1:100) existieren auch D-Potenzen (Dezimal 1 :10). Bei den D-Potenzen werden jeweils 1 Teil Ausgangssubstanz mit 9 Teilen Trägermittel gemischt.
Während der Zeit in Paris, im fortgeschrittenen Alter, entwickelte Hahnemann die Q - (oder LM -) Potenzen. Man nimmt dabei als Ausgangssubstanz eine C 3 und verschüttelt diese im Verhältnis von 1 : 50000 stufenweise, indem man immer wieder Globuli benetzt, auflöst und 100 Mal schüttelt.
Homöopathische Arzneimittel werden also nicht einfach verdünnt, sondern potenziert und so dynamisch von Stufe zu Stufe aufgeschlossen.
Homöopathische Mittel werden nicht einfach verdünnt sondern potenziert
Homöopathische Heilmittel werden aus mineralischen, pflanzlichen, tierischen oder anderen biologischen Quellen gewonnen. Durch Einweichen in alkohollösung wird ein Auszug hergestellt, der die Urtinktur darstellt.
Diese Tinktur wird mit Alkohoi im Verhältnis von 1 Tropfen Tinktur zu 10 oder 100 Tropfen Alkohol verdünnt. Dann wird sie von Hand oder mittels einer Maschine schnell verschüttelt. Dieses Verfahren wird viele Male wiederholt und ergibt die unterschiedlichen Potenzen.
Mit der gewonnenen Lösung werden Rohzuckerkügelchen beträufelt. Bei trockener und kühler Lagerung sind die Kügelchen in der Flasche praktisch unbegrenzt haltbar. Kommen sie aber mit starken Gerüchen in Kontakt, können sie ihre Wirkung verlieren.
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Kann ein homöopathisch "verdünntes" Heilmittel überhaupt wirken ?
Ja !
Rein rechnerisch kann man davon ausgehen, dass ab einer C 12 - Potenz (oder ab dem 23. Potenzierungsschritt in der Dezimalskala) kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr im homöopathischen Heilmittel vorhanden ist (Avogadro-Konstante oder Loschmidtsche Zahl). Dennoch machen Homöopathen und ihre Patienten weltweit tagtäglich die Erfahrung, dass hochpotenzierte homöopathische Heilmittel ausgezeichnet wirken. Sie wirken auch bei Säuglingen, Bewusstlosen und Tieren.
Hahnemann erwähnt das Potenzieren der homöopathischen Heilmittel erstmals 1827, also erst in seinen reifen Jahren. Im Organon § 269 schreibt er:
"Die homöopathische Heilkunst entwickelt zu ihrem besonderen Zweck die inneren, geistigartigen Arzneikräfte der rohen Substanzen... . durch eine spezielle Bearbeitung, welche Dynamisation oder Potenzierung genannt wird. Dadurch entwickeln sich die latenten, vorher unmerklich wie schla-
Ohne stufenweises Vorgehen und Verschütteln also durch blosses Verdünnen ist die Substanz homöopathisch nicht wirksam.
fend in ihnen verborgen gewesenen dynamischen Kräfte, welche vorzugsweise auf die Lebenskraft (Dynamis) und auf das vegetative System Einfluss haben,..
Man hört noch täglich, dass die homöopathischen Arzneipotenzen blosse Verdünnungen seien. Durch Reiben und Schütteln bewirkt, sind sie aber.....wahre Aufschliessungen und Zutageförderung der in ihrem Innern verborgen gelegenen spezifischen Arzneikräfte...
Verdünnen allein, z. B. die Auflösung eines Grans (ein Gran = 0,060- 0,073 g) Kochsalz, ergibt fast reines Wasser. Das Gran Kochsalz verschwindef in der Verdünnung mit viel Wasser und wird dadurch nie zur Kochsalz-Arznei (= Natrium muriaticum). Diese erreicht dagegen durch unsere wohl bereitete Dynamisation eine bewunderungswürdige Sfärke... "
Ohne stufenweises Vorgehen und Verschütteln - also durch blossesVerdünnen - ist die Substanz homöopathisch nicht wirksam.
Im "Handbuch der Homöopathie" sagt M, Dorcis: "Die Entdeckung Hahnemanns von der Wirksamkeit immaterieller Arzneizubereitungen ist kein theoretisch erdachtes Dekret zur Abrundung einer Philosophie und kein spekulatives Postulat zur Differenzierung von der Schulmedizin, sondern - wie alles bei Hahnemann - das Ergebnis von Beobachtungen, Versuchen und Erfahrungen. "
Für mich ist die Entdeckung des Potenzierens durch Hahnemann der Höhepunkt der Homöopathie und Hahnemanns entscheidendster Beitrag für die Heilkunst überhaupt.
Zur Wirkung von potenzierten Heilmitteln gibt es die verschiedensten Erklärungsversuche. Es besteht zum Beispiel die Vorstellung, dass potenzierte Substanzen, welche in einer bestimmten Lösung nicht mehr nachzuweisen sind, in der Lösung eine Information zurücklassen, welche in der Lage ist, biologische Wirkungen auszulösen. In neuster Zeit konnte ein Forscherteam unter Y. Lasne ("Mise en évidence de signaux physiques émanant de solutions diluées dynamisées ou homéopathiques" C. E.i. A. Lacénas 69640 Denice) mit nuklearer Magnetresonanz tatsächlich nachweisen, dass homöopathische Hochpotenzen physikalische, also energetische, Signale aussenden.
Materie ist eine spezielle Zustandsform der Energie. Durch die homöopathische Bearbeitung und das Potenzieren eines Stoffes wird sein energetisches Muster, seine energetische Information (oder in den Worfen Hahnemanns: "die geistartigen, dynamischen Arzneikräffe") aufgeschlossen und auf die Trägersubstanz (Alkohol-Wassergemisch) überfragen. Diese In-
Durch das Potenzieren wird die energetische Information des Mittels freigesetzt
formationen werden vom Körper aufgenommen und regen die Selbstheilungskräfte und Selbstregulationsmechanismen an.
Hahnemann beobachtete, dass je höher ein Arzneimittel potenziert wird, desto spezifischer ("stärker") seine arzneiliche Wirkung sein kann.
Die Wirkungsweise homöopathischer Heilmittel ist bis heute nicht geklärt. Die Wirksamkeit einer Methode hängt aber nicht davon ab, ob wir ihren Wirkmechanismus genau erklären können oder nicht. Der Apfel fällt zu Boden, obwohl wir die Anziehungskraft nicht erklären können.
Potenzierte homöopathische Heilmittel wirken. Durch das Potenzieren wird die energetische Information des Mittels freigesetzt . Die Information wird auf das Lösungsmittel übertragen und kann so biologische Vorgänge auslösen, indem es die Selbstheilungskräfte des Organismus anregt.
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Was versteht man im homöopathischen Sinn unter Krankheit?
In Paragraph 9 des Organons schreibt Hahnemann: "Im gesunden Zusfand des Menschen waltet die geistartige, als Dynamis den materiellen Organismus belebende Lebenskraft unumschränkt. In bewundernswürdig harmonischem Lebensgang hält sie alle seine Teile, seine Gefühle und Tätigkeiten auf recht, so dass der in uns wohnende vernünffige Geist sich dieses lebendigen und gesunden Werkzeugs frei zum höheren Zwecke unseres Daseins bedienen kann. "
Die Ursache einer Krankheit ist laut Hahnemann eine Störung
der Lebenskraft
Weiter lesen wir in Paragraph 10, dass " ..der materielle Organismus - ohne die Lebenskraft gedacht - zu keiner Empfindung, keiner Tätigkeit und keiner Selbsterhaltung fähig ist.... Nur das lmmaterielle, das den materiellen Organismus im gesunden und kranken Zustand belebende Lebensprinzip - die Lebenskraft - verleiht ihm seine Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtung ".
Die Ursache aller Krankheit ist laut Hahnemann eine Störung der Lebenskraft. Die Lebenskraft ist etwas Immaterielles. Sie ist nicht mess oder wägbar, aber in ihrer Auswirkung erkennbar. Sie ist der innerste Kern des Menschen. Alle Funktionen des menschlichen Organismus hängen von dieser Lebenskraft ab.
Wie der Magnetismus seinem Wesen nach unsichtbar ist, aber in der Erscheinung von Anziehung und Abstossung wahrnehmbar wird, ist "das Leben" an sich unsichtbar, wird aber in seinen Erscheinungsformen wahrnehmbar. Laut Hahnemann
ist das innere Wesen der Krankheit = die Verstimmung der Lebenskraft - nicht direkt, sondern nur anhand der nach aussen projizierten Krankheitszeichen, der Symptome, erkennbar.In § 6 des Organons schreibt er: " . der Beobachter wird an jeder Krankheit nichts feststellen als äusserliche, durch die Sinne wahrnehmbare Veränderungen im Befinden des Leibes und der Seele, also Abweichungen vom gesunden Zustand des jetzt Kranken, welche
1. dieser selbsf fühlt,
2. seine Umgebung an ihm wahr nimmt,
3. der Arzt an ihm beobachtet.-
Alle diese wahrnehmbaren Zeichen repräsentieren die Krankheit in ihrem ganzen Umfang, das heisst, sie bilden zusammen die wahre und einzige Gestalt der Krankheit. ...Also muss die Gesamtheit dieser ihrer Symptome, dieses nach aussen reflektierende Bild des inneren Wesens der Krankheit, das heisst das Leiden der Lebenskraft, das Hauptsächlichste oder Einzige sein, wodurch die Krankheit zu erkennen geben kann, welches Heilmittel sie bedürfe... "
Krankheit ist also " Verstimmung der Lebenskraft". Die Symptome des Patienten sind die wahrnehmbaren Krankheitszeichen (Phänomene d.er Krankheit). Das heilende Arzneimittel muss sich an diesen Phänomenen orientieren, es muss ihnen entsprechen.
Ähnliche Begriffe für Lebenskraft sind: intakte Selbstregulation, inneres Gleichgewicht, gesunde Konstitution, gutes Terrain, Homöostase... Die Symptome an sich sind nicht die Krankheit, sondern sie repräsentieren nur die verstimmte Lebenskraft. Heilung bedeutet nicht die Unterdrückung einzelner Symptome sondern die Gesundung der Lebenskraft.
Krankheit kann als "ganzheitliche Anpassungsstörung des gesamten Organismus" (Zitat: M. Righetti in "Forschung in der Homöopathie") verstanden werden. Für jede Erkrankung muss eine Bereitschaft vorhanden sein. Auch wenn er infiziert worden ist, bekommt nicht jeder eine Grippe.
Gesundheit heisst sich wohl fühlen, im Moment leben, angemessen und ausgewogen auf Situationen reagieren. Nach Sankaran in "The Spirit of Homoeopathy" bedeutet Gesundheit "Freiheit, Spontaneität und Leben in der Gegenwart. Der uns innewohnende Geist ist in der Lage, den Anforderung einer Situation gerecht zu werden. "
Obwohl Hahnemann durch die Anwendung des Ähnlichkeitsgesetzes bei akuten Krankheiten grosse Erfolge hatte, stellte er fest, dass häufig ein darunterliegendes chronisches Leiden langsam fortschritt. Die Akutkrankheit war nur die Spitze des Eisberges, ein Aufflackern eines chronischen, tieferliegenden "Urübels". Die akute Krankheit ist nur eine Sequenz, kein isoliertes Geschehen, Die im Laufe der Zeit bei einem Kranken gestellten schulmedizinischen Diagnosen wie zum Beispiel Milchschorf, Neurodermitis, Heuschnupfen, Migräne, Asthma, Depression sind Ausdruck eines einzigen fortschreitenden Prozesses chronischen Krankseins.
Auch hierzu gibt Sankaran ein Beispiel; " ..wir können schon bei einem Kind die Anfänge von zukünftigem Kranksein wahrnehmen. Das Kind schwitzt zum Beispiel so stark während des Schlafes, dass das Kopfkissen durchnässt ist. Vielleicht schliessen sich die Schädelnähte langsam. Das Kind lernt erst spät laufen, zahnt eher spät. Es hat die Gewohnheit, Erde und Kalk zu essen. Es sieht dick aus, hat wenig Muskelkraft. Vielleicht hat es vergrösserte Mandeln. Es hat die ganze Zeit kalt, fröstelt, es fehlt ihm an Energie. Später entwickelt sich ein Husten und auch etwas Fieber. Das Kind hat ein Verlangen nach Milch und Eiern. Der Husten verschlechtert sich zusehends. Das abendliche Fieber wird ausgeprägter und das Röntgenbild zeigt den Befund einer Tuberkulose.
Es ist offensichtlich, dass die Tuberkulose nicht plötzlich aufgetreten ist. Sie hat sich von Kindheit an entwickelt. Die Zeichen einer angegriffen Gesundheit, einer "schwachen Lebenskraft", waren alle vorhanden. Die Symptome des kranken Kindes zeigen das homöopathische Mittel Calcium carbonicum an. Wäre dieses Arzneimittel in der frühen Kindheit gegeben worden, hätte das Kind die späteren Probleme möglicherweise nicht bekommen... . "
"Das hochste Ideal der Heilung ist die schnelle, sanfte und dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit oder Behebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfang auf dem kürzesten, zuverlässigsten und unnachteiIigsten Weg".
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Was ist der Unterschied zwischen der klassischen Homöopathie und der Schulmedizin?
Im vorangegangenen Kapitel haben wir gesehen, dass die Homöopathie Krankheit als eine Verstimmung der Lebenskraft ansieht, als eine Störung der Anpassungsfähigkeit, als verhinderte Selbstheilung. Krankheit ist ein kontinuierlicher Prozess, welcher sich phänomenologisch in den individuellen Symptomen des Kranken äussert.
Die Schulmedizin dagegen betrachtet Krankheit als einen akuten, momentanen oder chronischen, isolierten Organbefund oder als biochemische Störung. Mit zum Teil aufwendigen und teuren Verfahren werden Diagnosen gestellt. Nicht die individuellen Symptome des Kranken zählen, sondern die gestellte klinische Diagnose. Man sagt, der Kranke leide an einer eitrigen Mandelentzündung oder an einer Allergie auf Pollen usw. Ist diese Art von Diagnose einmal gestellt, ist die Behandlung für alle, die an derselben Krankheit leiden, die gleiche.
Eine eitrige Mandelentzündung wird schulmedizinisch mit einem Antibiotikum behandelt. Man nimmt an, dass Bakterien an diesen Entzündungen schuld sind, Antibio-
Die Symptome sind nur der Spiegel der Krankheit, nicht die
Krankheit selbst.
tika können Bakterien vernichten und so mithelfen, eitrige Prozesse schneller zu überwinden. Meistens wird bei einem Rückfall erneut ein Antibiotikum verabreicht.
Es sind mir viele Kinder bekannt, die immer wieder Antibiotikakuren zur Behandlung von akuten Mandel- oder. Mittelohrentzündungen durchmachen mussten. Kaum war ein Infekt überwunden, meldete sich schon der nächste.
Ein 21 /2-jähriges Kind hatte, bevor es in meine Behandlung kam, bereits 17 Mal wegen immer wiederkehrenden Mittelohrentzündungen Antibiotika erhalten. Das aufgrund der Gesamtheit der Symptome gegebene homöopathische Mittel vermochte die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Die Häufigkeit der Entzündungen nahm ab und Antibiotika waren nicht mehr nötig.
Aus homöopathischer Sicht wurde schulmedizinisch durch das Antibiotikum nur die Akutkrankheit (im obigen Beispiel die Mittelohrentzündung) unterdrückt. Die chronische Grundkrankheit, die "Verstimmung der Lebensenergie", das Terrain für die immer wiederkehrenden Infekte wurde nicht behandelt. Die Schulmedizin betrachtet in ihrer Therapie nur den Erreger, das Bakterium, nicht aber den kranken Menschen in seiner individuellen Gesamtheit und mit seiner persönlichen Lebensgeschichte. Die Homöopathie dagegen betrachtet die Gesamtheit der Krankheitszeichen (auch frühere) auf dem Hintergrund der Lebensgeschichte des Patienten und vermag mit dem passenden Arzneimittel die "verstimmte Lebenskraft" zu regulieren. Sie bringt den Organismus ins Gleichgewicht, aktiviert die blockierte Selbstheilung, entzieht den Bakterien den Nährboden für ihr Wachstum, heilt auf natürliche Art von innen her.
Die Homöopathie versucht, das Zugrundeliegende der Krankheit zu heilen, welches sich durch die individuellen Symptome auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene des Kranken äussert.
Hahnemann sagt in § 2 des Organons: "Das höchste Ideal der Heilung ist die schnelle, sanfte und dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit oder Behebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfang auf dem kürzesten, zuverlässigsten und unnachteiligsten Weg. Die Behandlung soll nach deutlich einzusehenden Gründen erfolgen. "
Weiter erteilt Hahnemann den Rat, " ...nicht Zeit und Kräfte zu verschwenden mit dem Zusammenspinnen leerer Einfälle und Hypothesen über das innere Wesen des Lebensvorganges und der Krankheitsentstehung.... sondern sich auf die wahre und einzig denkbare Gestalt der Krankheit, nämlich die individuellen Symptome des Kranken, zu konzentrieren.... "
In § 3 des Organons schreibt Hahnemann den Ärzten klar vor, was sie zu tun haben:
a)
deutlich einsehen, was an jedem einzelnen Krankheitsfall zu heilen ist (Erkennen der Krankheit, welche sich in den individuellen Symptomen äussert)
b)
wissen, was an jeder Arznei das Heilende ist (Kenntnis der Arzneikräfte, welche sich in der Arzneimittelprüfung am Gesunden äussern)
c)
das nach dem Ähnlichkeitsprinzip übereinstimmende Arzneimittel wählen
d)
die richtige Potenz des Heilmittels abgeben
e)
die Hindernisse der Genesung erkennen und sie wegräumen "
Die klassische Homöopathie ist eine wissenschaftliche Arzneiheilungslehre. Die Heilung ist vorhersagbar, gesetzmässig - also wissenschaftlich - sofern die Grundregeln der Homöopathie:
- das Erkennen der Krankheit in den individuellen Symptomen des Kranken und
- das Erkennen der Arzneiwirkung in der Arzneimittelprüfung zusammengebracht und eingehalten werden,
In der Schulmedizin existieren keine solche einfachen und unveränderlichen Grundregeln. Die Erklärungsmodelle von Krankheiten und damit auch die entsprechendenTherapien wechseln häufig. Die Halbwertszeit des schulmedizinischen Wissens wird heute auf ungefähr fünf Jahre geschätzt. Das heisst, dass die Hälfte des schulmedizinischen Wissens in fünf Jahren bereits überholt ist und neuen Theorien und Hypothesen Platz gemacht hat.
In der klassischen Homöopathie existieren keine Spekulationen über Krankheitsentstehungen und -ursachen. Der Spiegel der Krankheit sind die Symptome. Die Symptome führen zum heilenden Arzneimittel. Symptome zeigen uns, was der Organismus unternimmt, um wieder gesund zu werden. Bei einer Grippe zum Beispiel versucht der Körper durch das Nasensekret - den Schnupfen - die Viren unschädlich zu machen und auszuscheiden. Das Unterdrücken des Schnupfens, wie es mit schulmedizinischen Mitteln gemacht wird, ist sinnlos und bringt nur vorübergehende Linderung aber keine Heilung. Die Linderung dauert solange das schulmedizinische Mittel wirkt. Danach beginnt der Schnupfen oft wieder, meist noch stärker als vorher.
Die Symptome sind nur der Spiegel der Krankheit, nicht die Krankheit selbst. Wie ich weiter oben beschrieben habe, versteht man in der klassischen Homöopathie unter Krankheit eine Verstimmung der Lebenskraft. Krankheit ist somit etwas Immaterielles, eine Verstimmung, ein entstandenes Ungleichgewicht in den normalen Regelvorgängen des Organismus. Die Steuerungsvorgänge im Körper sind äusserst komplex und funktionieren auf energetischer Ebene. Es gibt keine einfachen (monokausalen) Zusammenhänge im Sinne von: "Wenn das passiert, hat es dies zur Folge...." Alles ist miteinander verknüpft und beeinflusst sich gegenseitig.
Die Homöopathie unterstützt den Organismus auf der energetischen Steuerungsebene mit nichtmateriellen, potenzierten, energetischen Heilmitteln. Die Eigenheilkräfte werden dadurch unterstützt. Heilen kann sich nur der Körper selbst.
Die Schulmedizin wirkt mit ihren Substanzen auf die materielle Ebene des Körpers ein. So werden zum Beispiel mit Arzneien, welche dank ihrer chemischen Struktur Entzündungsprozesse unterdrücken können, Schmerzen gehemmt. Die energetische Steuerungsebene, welche die Selbstheilungskräfte dirigiert, wird nicht beeinflusst. Die Selbstheilung wird nicht angeregt, die Krankheitssymptome nur unterdrückt und verlagert.
Schulmedizinische Mittel wirken direkt auf den Körper ein, indem sie zum Beispiel Entzündungsprozesse unterdrücken. Die homöopathischen Heilmittel wirken indirekt über die Aktivierung der Selbstheilungskräfte.
Zum Glück beginnt man heute immer mehr einzusehen, welche entscheidende Bedeutung die Selbstheilungskräfte haben. Es wäre unökonomisch, sie nicht einzusetzen, oder sie gar mit Mitteln, welche den Krankheitssymptomen entgegengesetzt sind, zu behindern.
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Wo liegen die Grenzen der Homöopathie ?
Solange die gestörten Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt werden können, kann theoretisch jede Krankheit - akut oder chronisch - homöopathisch behandelt werden.
Somit liegen die meisten Krankheiten in der Reichweite der Homöopathie. Die klassische Homöopathie ist häufig auch dort erfolgreich, wo die Schulmedizin ausser Linderung der Beschwerden keine Heilungsmöglichkeiten zu bieten hat. So zum Beispiel bei chronischen und funktionellen Krankheiten wie Allergien, erhöhter Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen, immunologischen Erkrankungen, vielen Hautkrankheiten, Verdauungs- und Herzbeschwerden, seelischen Leiden usw.
Es gibt jedoch Situationen, wo ein Schaden im Körper so gross ist, dass er durch Selbstheilung nicht mehr überwunden werden kann. Wenn zum Beispiel Organe wie die Nieren oder Teile der Bauchspeicheldrüse, zerstört und somit funktionsunfähig sind, ist der Organismus zur Selbstheilung nicht mehr in der Lage. Bei einem Nierenversagen muss eine Blutwaschung (Dialyse) durchgeführt werden. Beim Fehlen von Insulin, welches normalerweise in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird, muss dem Patienten das Insulin ersetzt werden.
Wenn durch fehlende Substanzen in der Nahrung (zum Beispiel durch einseitige Ernährung) Mangelzustände auftreten, müssen primär diese Substanzen zugeführt werden.
Es ist nicht selbstverständlich, dass die heilende homöopathische Arznei auf Anhieb gefunden wird. Die homöopathische Methode scheitert dann, wenn der Homöopath das Mittel nicht erkennt oder die heilende Substanz noch gar nicht geprüft und somit nicht bekannt ist. Es kann auch dann schwierig werden, das Mittel zu finden, wenn zum Beispiel der Patient nicht genügend individuelle Symptome hat oder schildern kann.
Reaktionsblockaden (z. B. schwere toxische Belastungen), unerkannte Gegenmittel (Antidote) oder andere schwerwiegende äussere Umstände, zum Beispiel extreme familiäre oder soziale Situationen, können einer Heilung entgegenstehen.
Die Grenzen der Homöopathie liegen dort, wo die Selbstheilungskräfte nicht mehr genügend stimuliert werden können.
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Welches sind die Vorteile der Homöopathie ?
Homöopathische Heilmittel sind im Allgemeinen nicht sehr teuer. Für die Herstellung eines potenzierten Mittels braucht es mengenmässig wenig von der Ausgangssubstanz.
Die Herstellung der Mittel ist sehr ökologisch. Die Umwelt wird nicht durch chemische Schadstoffe belastet. Mit den bescheidensten Mitteln können homöopathische
Arzneien hergestellt werden. Es sind keine grossen Fabriken mit rauchenden Kaminen und störanfälliger Grosstechnologie nötig.
Nebenwirkungen im schulmedizinischen Sinne treten bei der Behandlung mit homöopathischen Heilmitteln nicht auf. Der Körper wird durch die Homöopathie nicht mit toxischen Substanzen belastet. Man schätzt heute die Folgekosten schulmedizinischer Nebenwirkungen auf etwa 30 - 40 % der gesamten Medizinalausgaben. Andere Schätzungen behaupten, dass ungefähr 60 % aller schulmedizinischen Medikamente gar nicht oder nur zum Teil eingenommen werden und im Abfallkübel landen.
Nebenwirkungen durch eine homöopathische Therapie können dann auftreten, wenn Mittel unsachgemäss über lange Zeit oder ohne genaue Abklärung eingenommen werden.
Es gehört zum ärztlichen Handwerk, Diagnosen zu stellen und Beschwerden von Patienten abzuklären. Eine Diagnose ist wichtig, um den Patienten beraten und begleiten zu können. Bei vielen gesundheitlichen Störungen kann aber auch mit den aufwendigsten Verfahren keine exakte Diagnose gestellt werden. In der Homöopathie sind wir nicht auf die klinische Diagnose angewiesen, da wir das Arzneimittel nach den Symptomen des Patienten bestimmen. Somit kann eine homöopathische Therapie auch vor dem oder ohne Vorliegen einer genauen Diagnose eingeleitet werden. Auch wenn der homöopathische Arzt für die Therapie nicht auf die schulmedizinische Diagnose angewiesen ist, wird er sich darum bemühen und sie nicht ignorieren.
Die Homöopathie hat den Vorteil, dass ihre Heilmittel günstig sind und ohne Umweltbelastung hergestellt werden können
. Da dem Patienten keine Substanzen in toxischer Form verabreicht werden, treten keine Nebenwirkungen im schulmedizinischen Sinne auf.(zurück zum Inhaltsverzeichnis)
Welches sind die Vorteile der Schulmedizin ?
Die Schulmedizin hat heute ein enorm hohes technisches Niveau erreicht. Ich denke vor allem an die riesigen Forfschritte in der Chirurgie, Anästhesie und Notfallmedizin.
Für einen Menschen, der jahrelang wegen Arthrose an Hüftgelenkschmerzen leidet und deswegen kaum mehr ausser Haus gehen kann, ist der Gelenkersatz durch eine Prothese ein grosses Geschenk. Die orthopädische Operationstechnik macht es möglich, dass nach einem Unfall auch komplizierte Brüche wieder heilen können und der Betroffene nicht invalid wird.
In lebensbedrohenden Zuständen, in denen die Lebensenergie die Kraft zur Selbstheilung nicht mehr aufbringen kann, leistet die Notfallmedizin grosse Hilfe. Bei Schockzuständen zum Beispiel wegen einer generalisierten Infektion (septischer Schock) ist es dem Organismus häufig nicht mehr möglich, unter anderem ohne antibiotische Hilfe die Infektion zu überwinden.
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Wann Homöopathie, wann Schulmedizin ?
Zum Teil ergibt sich die Antwort aus den beiden vorangegangen Abschnitten.
Auch bei Hahnemann finden sich Antworten dazu, Im § 67 des Organons schreibt er: "...in höchst dringenden Fällen, wo Lebensgefahr und Todesnähe einem homöopathischen Mittel zum Wirken keine Zeit, nicht Stunden und oft kaum Minuten lässt - in plötzlich entstandenen Unfällen bei vorher gesunden Menschen - ist es erlaubt und zweckmässig, unterstützende Mittel (Palliativa) ... einzusetzen.... "
In § 186 meint Hahnemann zur chirurgischen Behandlung: " ..von aussen dem Körper zugefügte Übel von irgendeiner Beträchtlichkeit ziehen den ganzen lebenden Organismus in Mitleidenschaft...
Die Chirurgie soll dort eingesetzt werden, als an den leidenden Teile eine mechanische Hilfe anzubringen ist. Dadurch können die äusseren Hindernisse... mechanisch beseitigt werden z.B.
- durch Einrenkungen,
- vereinigende Klammern und Binden,
- mechanische Hemmung und Stillung der Blutungen aus geöffneten Arterien,
- Herausziehen fremder, in den Körper eingedrungener Teile,
- Öffnen einer Körperhöhle, um eine belästigende Substanz her auszunehmen,
- dem Erguss ausgetretener oder angesammelter Flüssigkeit einen Ausgang zu verschaffen,
- Aneinanderfügen der Bruchenden eines zerbrochenen Knochens und Befestigen durch einen geeigneten verband usw. "
Hahnemann sagt dann in § 186 aber ganz klar, wann der homöopathische Arzt mit seiner dynamischen Arznei in Funktion zu treten hat: "...nämlich dort, wo bei einer Beschädigung der ganze lebende Organismus tätige, dynamische Hilfe verlangt, um das Werk der Heilung vollführen zu können..., "
Die Schulmedizin und insbesondere natürlich die Chirurgie basieren auf einem mechanistischen Weltbild: "Der Mensch als Maschine".
Diese mechanischen Vorstellungen über das Funktionieren des Menschen stammen aus dem 19. Jahrhundert. Der Mensch ist aber keine Maschine, er funktioniert nicht nur nach mechanischen Prinzipien. Er ist ein Wesen mit Körper, Seele und Geist über dessen komplexes Funktionieren wir praktisch nichts wissen. Sicher aber sind es nicht mechanische Vorgänge, die uns denken und fühlen lassen, sondern eher energetisch dynamische.
Nach meiner Ansicht soll jedem Kranken jene Therapiemethode zukommen, die für ihn, für seine Krankheit, für seine Situation am geeignetsten ist. Das kann zum Beispiel vor allem bei "mechanischen", orthopädischen, chirurgischen Problemen die Schulmedizin sein. Dorf wo eine Krankheit durch die Stimulierung der Selbstheilungskräfte überwunden werden kann, empfehle ich ein regulatives Heilverfahren, wie zum Beispiel die klassische Homöopathie.
Um entscheiden zu können, welche Therapie für den Patienten die wirksamste ist, welche "..schnell, sanft und dauerhaft auf kürzestem, zuverlässigstem und unnachteiligstem Weg die Gesundheit wieder herstellt... " (Organon § 2), soll ein Therapeut verschiedene Therapiemöglichkeiten kennen.
Von einem Homöopathen erwarte ich, dass er, um verantwortungsvoll handeln zu können, neben einer gründlichen homöopathischen Ausbildung ebenso über fundierte schulmedizinische Kenntnisse verfügt.
Schulmedizin und klassische Homöopathie können sich
durchaus ergänzen
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Gibt es neben der klassischen Hmöopathie andere homöopathische Therapieformen ?
Ja. - Unter der klassischen Homöopathie versteht man jene Art von Homöopathie, wie sie von Hahnemann erarbeitet wurde. " Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfall eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll. "
In der Komplexmittel-Homöopathie (z. B. Similisan-Produkte) bestehen die Arzneimittel aus verschiedenen Einzelmitteln in verschiedenen Potenzen. Die Mittel wurden in dieser Zusammensetzung nie am gesunden Menschen geprüft. Es ist von ihnen somit kein Arzneimittelbild bekannt. Die Komplexmittel werden nicht nach individuellen Krankheitssymptomen verschrieben, sondern auf Grund von Krankheitsbezeichnungen wie zum Beispiel:
trockener Husten, Reisekrankheit, Meteo-Tropfen, Zahnbeschwerden, Kreislaufbeschwerden, Leber- Galle-Tropfen usw. Solche Verschreibungen haben nichts mit klassischer Homöopathie zu tun.
Anthroposophische Heilmittel enthalten oft neben rein pflanzlichen Anteilen auch homöopathische, niedrig potenzierte Teile. Diese Arzneimittel sollten streng genommen nicht als homöopathisch bezeichnet werden. In der Anthroposophie werden Medikamente nach anthroposophischen und nicht nach homöopathischen Gesichtspunkten verschrieben.
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Wie verläuft die Behandlung bei einem klassischen Homöopathen ?
Die Homöopathie ist eine streng individualisierende Therapieform. Es gibt keine Mittel gegen bestimmte Krankheiten, sondern nur individuelle Arzneimittel für kranke Menschen.
Hahnemann schreibt im § 82 des Organons: "...es kann keine echte Heilung einer Krankheit stattfinden ohne strenge dividualisierung jedes Krankheitsfalles. " Hahnemann fordert, dass "...die Erforschung der Krankheitszeichen so sorgfältig als möglich geschehen und bis in die kleinsten Einzelheiten gehen muss... und dass die auffälligsten Symptome besonders ins Auge zu fassen sind... ".
Weiter N...sollen die Daten der wahrscheinlichsten Veranlassung der Krankheit, die bedeutungsvollsten Momente aus der ganzen Krankheitsgeschichte, der Gemütszustand des Kranken und sein geistiger Charakter, seine Beschäftigung, seine Lebensweise und Gewohnheiten, seine bürgerlichen und häuslichen Verhältnisse usw. erfragt werden... ".
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Die homöopathische Fallaufnahme, das Erfassen eines Menschen in seiner Einmaligkeit, ist sehr zeitintensiv, ist aber die Grundvoraussetzung für jede ernsthafte homöopathische Behandlung. Je nach Komplexität kann eine homöopathische Fallerhebung mehrere Stunden dauern.
Zu Beginn des Gespräches wird der Patient gebeten, von seinen aktuellen Beschwerden zu erzählen. Häufig berichtet der Kranke zuerst in allgemeinen oder schulmedizinischen Begriffen über seine Krankheit und körperlichen Symptome. Diagnosen, Laboruntersuchungen, Röntgenbilder usw. werden präsentiert. Auch diese Informationen sind für den Homöopathen wichtig - nicht weil sie ihm helfen das richtige Mittel zu finden - sondern weil er dadurch abschätzen kann, wie schwerwiegend das Leiden des Patienten ist, und welche Prognose für die Zukunft gestellt werden kann.
Auch die Krankheitsbiographie wird festgehalten. Welche Operationen wurden durchgeführt? Welche Impfungen wurden gemacht? Geschlechtskrankheiten, Nervenzusammenbrüche, langdauernde Infektionskrankheiten usw.
Die Homöopathie ist ein streng individualisierende
Therapieform
Wie hat sich das Krankheitsleiden entwickelt? Was waren die Auslöser? Welche Therapien wurden bis jetzt durchgeführt?
Im nächsten Schritt soll die genaue Beschaffenheit der einzelnen Symptome geklärt werden. Die genaue Lokalisation des Symptoms, die Empfindung, Begleitsymptome und Beeinflussungen (Modalitäten) werden erfragt. Wird ein Symptom besser oder schlimmer z. B. durch Kälte, Wärme, Wetterveränderung, Bewegung, Ruhe, Druck etc.
Der Homöopath stellt auch Fragen zur Biographie des Patienten, zu seiner persönlichen Lebensgeschichte möglichst von der Geburt bis zum jetzigen Zeitpunkt, Fragen zu Lebensthematik, Lebensziel, Veränderungswünschen, Eigenund Fremdeinschätzung, Art der Gefühlsäusserungen bei Freude, Wut, Trauer, Fragen nach Ängsten, Träumen usw.
Allgemeine Fragen nach Verträglichkeit von Sonne, Wind, Regen, Wärme, Kälte, Einfluss des Mondes. Fragen nach der Qualität des Schlafes, der bevorzugten Schlafposition. Appetit, Hunger, Durst, Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln, Unverträglichkeiten von gewissen Speisen usw.
Fragen nach der Sexualität, nach der allgemeinen Vitalität, nach Gedächtnisschwächen, Konzentrationsschwierigkeiten, seelischen Problemen, Beziehungsproblemen usw.
Im § 83 des Organons liest man, dass " ..die individualisierende Untersuchung eines Krankheitsfalles vom Arzt nichts als Unbefangenheit, gesunde Sinne, Aufmerksamkeit im Beobachten und Genauigkeit im Aufzeichnen verlangt. "
In § 84 verlangt Hahnemann, " ..der Arzt schreibe alles genau auf mit den gleichen Ausdrücken, deren sich der Kranke und seine Angehörigen bedienen. Wo möglich lässt er sie stillschweigend ausreden und unterbricht sie nicht, wenn sie nicht auf Nebendinge abschweifen... "
Entscheidend scheint mir, dass der Homöopath echte Anteilnahme am Patienten zeigt. Sie äussert sich im konzentrierten, aufmerksamen Zuhören. Der Homöopath enthält sich jeder moralischen Wertung.
Das Ziel ist die Erfassung und das Verstehen des Patienten in seiner ganzen körperlich- seelisch- geistigen Einmaligkeit.
Jede Befragung ist in ihrer Art einmalig und einzigartig. Laut Vithoulkas in der "Wissenschaftlichen Homöopathie" , .. verlangt die Fallaufnahme vom Homöopathen grosses Einfühlungsvermögen, denn der Zugang zum Patienten muss jeweils auf ganz individuelle Weise gefunden werden. Es ist dies ein lebendiges, von der Eigenart der Begegnung und von in diesem Augenblick gerade Zufallendem geprägtes Zusammenwirken, dessen Ergebnis wissenschaftlich fundierte Schlussfolgerungen erlaubt. ...Die Homöopathie ist eine wissenschaftliche Disziplin, fest gegründet auf verifizierbaren Gesetzen, Methoden und Prinzipien. Bei ihrer Anwendung auf den einzelnen Patienten jedoch wird sie auch zu einer Kunst".
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2. Fallbearbeitung und Arzneimittelfindung
Nachdem der Fall nun sorgfältig in seiner Gesamtheit aufgenommen ist, arbeitet der Homöopath die Angaben des Patienten durch, um zu entscheiden, welches Mittel der Kranke als erstes erhalten soll. Diese Fallbearbeitung soll in Ruhe geschehen können und braucht in der Regel wiederum viel Zeit. Übereilte Verordnungen, zum Beispiel wegen Zeitmangels, sollten vermieden werden.
Dem Ähnlichkeitsprinzip folgend sucht der Homöopath jene Symptome, die für den Kranken charakteristisch sind und sich im Arzneimittelbild wiederfinden. Das Bewerten der Symptome erfolgt nach einem speziellen Hierarchisationsschema, wobei die an Platz eins stehenden Symptome die wichtigsten und wertvollsten sind.
1. Die charakteristischen Symptome
2. Die psychischen Symptome
3. Allgemeinsymptome
Symptome haben grundsätzlich nur dann für die Arzneifindung einen Wert, wenn sie eine gewisse Intensität, Dauerhaftigkeit und Regelmässigkeit aufweisen.
In § 153 definiert Hahnemann charakteristische Symptome: "Beim Aufsuchen eines homöopathisch spezifischen Heilmittels sind die auffallenderen, sonderlichen, ungewöhnlichen und charakteristischen Zeichen und Symptome des Krankheitsfalles besonders und fast ausschliesslich ins Auge zu fassen..... und müssen sehr ähnlich in der Symptomenreihe der gesuchten Arznei entsprechen. Die allgemeinen und unbestimmten Symptome wie Appetitmangel, Kopfweh, Mattigkeit, unruhiger Schlaf, Unbehaglichkeit etc. verdienen in dieser Allgemeinheit, wenn sie nicht näher bezeichnet sind, wenig Aufmerksamkeit, da man so etwas Allgemeines fast bei jeder Krankheit sieht. "
Beispiele solcher auffallenden, ungewöhnlichen Symptome sind:
- Kopfschmerz erstreckt sich zur Zunge (z. B. Ipecacuanha)
- Abmagerung breitet sich von oben nach unten aus (z. B. Lycopodium, Natrium muriaticum)
- Gefühl, als würde das Auge an einem Faden zum Hinterkopf gezogen (z. B. Lachesis, Paris quadrifolia)
- Schwindel weckt aus dem Schlaf (z. B. Nux vomica)
- Nasenbluten anstelle der Menstruationsblutung (z. B. Bryonia, Hamamelis, Lachesis)
- Husten endet mit Niesen (z. B. Agaricus, Belladonna)
- Weinen abwechselnd mit Lachen (z. B. Mercur, Nux moschafa, Pulsafilla)
- Halsweh besser durch Schlucken von festen Speisen (z. B. Ignatia)
- Abneigung gegen Süssigkeiten bei Kindern (z. B. Causticum)
- Gefühl, als ob eine Faust das Herz umklammere (z. B. Cactus)
usw.
Die beim Hierarchisieren gewonnenen wertvollen Symptome schlägt der Homöopath nun im Symptomenverzeichnis (Repertorium) nach. Unter den entsprechenden Symptomen (Rubriken) findet er Arzneimittel aufgelistet, die bei der Arzneimittelprüfung diese Symptome gezeigt haben. Die den Symptomen zugeordneten Arzneien werden aufgelistet. Zuletzt bleiben zwei bis drei Arzneimittel übrig, welche in den Rubriken häufig genannt wurden.
Der Homöopath hat in seiner Ausbildung, durch seine Erfahrung und eigenen Mittelprüfungen die Arzneimittel kennengelernt. Durch intensive Beschäftigung mit den homöopathischen Arzneien versucht der Homöopath, die Heilmittel in ihrem inneren Wesen zu erfassen.
Ebenso versucht der Homöopath, den Patienten in seinem inneren Wesen und in seiner Problematik zu erfassen und zu verstehen. Wenn das Arzneimittelbild und das Menschenbild übereinstimmen, ist das Similimum - das jeweils ähnlichste, heilende Mittel - gefunden.
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Der Homöopath wird nun dem Kranken das nach dem Ähnlichkeitsprinzip gewählte homöopathische Mittel abgeben. Es kann in Globulioder Tropfenform und in verschiedenen Potenzen gegeben werden.
Der klassische Homöopath gibt nur ein einziges Mittel auf einmal ab. Es gibt ja jeweils nur ein einziges ähnlichstes Mittel.
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4. Beurteilung der Arzneimittelwirkung
Je nach Situation wird bei chronischen Krankheiten der Patient nach ungefähr vier bis acht Wochen nach der Arzneimittelgabe zu einer Kontrolle eingeladen. Dieser Zeitraum ist nötig, um die Reaktion des Organismus auf den Arzneireiz abschätzen zu können. Für diese Kontrollkonsultation wird meist weniger Zeit eingesetzt als für das Aufnahmegespräch. Bei akuten Zuständen wird der Homöopath bereits nach wenigen Stunden die Mittelwirkung beurteilen.
Bei der ersten Konsultation ging es darum, den Patienten zu verstehen, seine Symptome so zu erfassen, dass das zutreffende Mittel gefunden werden konnte. Bei der zweiten Konsultation geht es nun darum, die Frage zu klären, ob das Mittel gewirkt hat. Geht es dem Patienten wirklich besser? Sind Veränderungen aufgetreten, wurde die Selbstheilung angeregt?
Wie hat der Patient auf das homöopathische Heilmittel reagiert? War das Mittel nur zum Teil ähnlich, und hat es nur nebensächliche Veränderungen bewirkt? Hat es Symptome unterdrückt und die Gesundheit des Patienten insgesamt verschlechtert? Sind neue, andere Symptome aufgetreten? Braucht der Patient eine andere Potenz des Mittels, oder braucht er gar eine andere Arznei?
Diese Fragen zu beantworten, ist häufig sehr schwierig. "Im Grunde genommen verlangt diese Zweitkonsultation noch wesentlich mehr Wissen, Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Urteilsfähigkeit vom Homöopathen als bei der Arzneimittelfindung: die gesamte Palette homöopathischer Kenntnisse kommt hier zum Tragen" (zitiert nach G. Vithoulkas).
Nach dem homöopathischen Arzt Constantin Hering (1800 -1880) soll Krankheit von innen - dem Kern des Menschen, der Lebenskraft - her geheilt werden. Von innen nach aussen d. h. die Symptome aus den lebenswichtigen Bereichen sollen zuerst verschwinden. Danach sollen äusserliche Symptome, zum Beispiel Hautsymptome bessern. Verlustängste sollen vor einem Asthma, ein Asthma soll vor einem Ekzem abheilen. Krankheiten, welche zeitlich zuletzt aufgetreten sind, sollen zuerst verschwinden.
Bevor körperliche Symptome bessern, fühlt sich der Patient nach Einnahme des homöopathischen Mittels oft schon im Allgemeinbefinden besser. Er schläft zum Beispiel besser, träumt mehr, ist ruhiger geworden, ist besser gelaunt usw.
Unter der homöopathischen Behandlung können Heilkrisen - Erstverschlimmerungen - auftreten. Kurzdauernd werden die bestehenden Symptome in ihrer Intensltät verstärkt.
Durch die homöopathische Arznei können auch seelische Krisen ausgelöst werden, welche dem Patienten seine Lebensproblematik bewusst werden lassen. Dadurch werden Veränderungen und Heilung möglich.
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Was ist bei einer homöopathischen Therapie zu beachten ?
Eine mir immer wieder gestellte Frage ist : "Darf Kaffee während der homöopathischen Behandlung getrunken werden?"
Meine Antworf ist folgende: Jede pharmakologisch wirksame Substanz - wie auch Tees, Gewürze etc. - kann die Selbstregulation des Körpers beeinflussen. Es kommt aber darauf an, wie Sie persönlich auf diese Substanzen reagieren, Spüren Sie eine unangenehme Wirkung , wenn Sie Kaffee getrunken haben oder nicht? Wenn ja, kann es sinnvoll sein, diese Substanzen in Zukunft wegzulassen und so Ihren Organismus zu entlasten.
Wenn das homöopathische Mittel richtig gewählt wurde, wirkt es nach meiner Erfahrung trotz Kaffeegenuss.
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Solche Substanzen gibt es. Es sind dies vor allem campherhaltige Produkte, die in vielen Salben (z. B. Tigerbalsam) aber auch in Duftölen (Duftlämpchen) vorhanden sind, Während einer homöopathischen Behandlung kann es sinnvoll sein, solche Produkte wegzulassen. Wie und warum solche Substanzen zu einer verminderten Wirkung des homöopathischen Mittels führen, ist mir nicht bekannt.
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Müssen schulmedizinische Mittel während einer homöopathischen Therapie abgesetzt werden ?
Mit den homöopathischen Arzneien versuchen wir, die blockierte Selbstheilung zu aktivieren. Schulmedizinische Mittel unterdrücken im allgemeinen Symptome und greifen meist massiv in die Selbstregulation ein. Dadurch kann die Wirkung des homöopathischen Mittels verunmöglicht werden.
In vielen Situationen ist es aber nicht möglich und sinnvoll, die schulmedizinische Medikation einfach zu stoppen. Zum Beispiel bei einem schweren Asthma, bei einer langdauernden Depression oder in der aktiven Phase einer Polyarthritis würde ich die schulmedizinische Therapie nicht einfach stoppen, sondern ergänzend und der Situation angepasst mit der homöopathischen Behandlung weiterführen. Durch Anpassen der Einnahmehäufigkeit und der Potenz des homöopathischen Arzneimittels kann trotz konventionellen Medikamenten eine Wirkung erzielt werden. Als Ziel streben wir an, die schulmedizinischen Mittel abzubauen und wenn möglich später abzusetzen.
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Wer ist ein klassischer Homöopath ?
Ein Merkmal des klassischen Homöopathen ist, dass er sich für Sie Zeit nimmt / nehmen muss. Es ist kaum möglich, innerhalb von wenigen Minuten eine komplette homöopathische Fallaufnahme zu machen. Meist dauert eine Anamnese (=Fallaufnahme) eine, zwei oder sogar noch mehr Stunden.
Dabei schreibt der Homöopath die von Ihnen geschilderten Umstände und Symptome möglichst genau auf, damit er für die nachfolgende Auswertung auch eine verlässliche Grundlage hat.
Es ist Ziel eines jeden seriösen Homöopathen, möglichst die ähnlichste und damit die heilende Arznei zu finden. Aus diesem Grunde erhalten Sie von einem klassischen Homöopathen kaum mehrere homöopathische Mittel auf einmal. Ein ernst zu nehmender Homöopath macht Ihnen keine übertriebenen und falschen Heilungsversprechungen. Spektakuläre Heilerfolge kommen in der Homöopathie zwar vor, der über längere Zeit dauernde Heilungsprozess ist aber eher die Regel.
Homöopath wird man nicht über Nacht. Die Ausbildung zum klassischen Homöopathen dauert Jahre und ist nie abgeschlossen. Lebenslange Weiterbildung ist die Regel. In der Schweiz übernimmt für Ärzte, Tierärzte und Apotheker der Schweizerische Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte (SVHA) die Grundausbildung in klassischer Homöopathie und verleiht ein entsprechendes Diplom.
Neben dem SVHA bieten auch andere Institutionen Homöopathieausbildungen u. a. auch für Heilpraktiker und Naturärzte an.
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Kommt eine homöopathische Behandlung für mich in Frage ?
Wenn Sie bereit sind, offen über Ihre Beschwerden, Symptome, Ihr Fühlen und Denken in allen Bereichen des menschlichen Daseins (körperlich-geistig-seelisch) zu sprechen, sind die Voraussetzungen gegeben, das heilende homöopathische Arzneimittel für Sie zu finden.
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Was kostet eine homöopathische Behandlung ?
Eine homöopathische Behandlung ist zeitintensiv. Der Homöopath wird für seinen Zeitaufwand bezahlt. Eine Erstanamnese mit Auswertung dauert je nach Komplexität in der Regel zwei bis vier Stunden. Die Folgekonsultationen sind dann weniger zeitaufwendig.
Eine von Frau Prof. Dr. med. I. Gerhard von der Frauenuniversitätsklinik Heidelberg durchgeführfe Studie zeigt, dass in der Unfruchtbarkeitsbehandlung (Sterilitätstherapie) durch die schulmedizinische Therapie 10 Mal mehr Kosten verursacht werden als durch die homöopathische. Dazu kommt noch, dass die homöopathische Behandlung 3 Mal erfolgreicher war.
Eine andere deutsche Studie belegt, dass in einer ärztlichen Praxis, in der klassische homöopathische Einzelmitteltherapie betrieben wird, mindestens 100000 DM jährlich allein an Medikamentenkosten gespart wird. Gleichzeitig verursachen homöopathisch therapierende Ärzte deutlich weniger Folgekosten im Sinne von Spitalaufenthalten, Arbeitsunfähigkeit sowie Arzneimittel-Nebenwirkungsschäden als die Kollegen der Schuldmedizin.
Die klassische Homöopathie ist erwiesenermassen eine günstige und wirksame Therapiemethode.
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Für weitere Informationen und Auskünffe können Sie sich wenden an:
Verein zur Förderung der klassischen Homöopathie (VFKH), Sekretariat: Postfach, 3312 Fraubrunnen
Ziel des VFKH ist die Förderung der Homöopathie in der breiten Öffentlichkeit. Regelmässig werden Informationsveranstaltungen für interessierte Laien und Patienten durchgeführt.
Dreimal jährlich erscheint die Vereinszeitschrift "Homöo-News". Der Verein zur Förderung der klassischen Homöopathie will die Interessen der homöopathischen Patienten wahren. Die Medizin der Zukunft soll eine ganzheitlich orientierte Medizin sein, in der Schul- und Komplementärmedizin gleichberechtigt sind.
Schweizerischer Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte (SVHA), Sekretariat: Oberdorfstrasse, 8914 Aeugst am Albis
Der SVHA ist die Standesorganisation der homöopathischen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz. Apotheker und homöopathische Tierärzte sind ebenfalls Mitglieder dieser Organisation. Sie ist verantwortlich für die homöopathische Ausbildung dieser Berufsgruppen und verleiht das Diplom"Arzt/Ärztin für Homöopathie SVHA".
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Literatur
Für die Zusammenstellung dieser Broschüre habe ich folgende Literatur verwendet:
- Deutsches Journal für Homöopathie, 4/ 1995, Barthel & Barthel Verlag
- Dorcsi Mathias .Handbuch der Homöopathie",1986, Orac-Verlag
- Eidgenössische Gesundheitskasse "Homöopathie-Info-Broschüre"
- Hahnemann Samuel "Organon der Heilkunst", Ausgabe 6 B,1974, HaugVerlag
- Halter Klaus und Gardaz Pierre : "Die wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit der Homöopathie", 1996, zu beziehen beim Sekretariat SVHA, Aeugst
- Informationsblatt des Bundesver bands "Patienten für Homöopathie", Herzogenrath, Postfach 1304, Deutschland
- Righetti Marco "Forschung in der Homöopathie",1988, Burgdorf Verlag
- Sankaran Rajan "The Spirit of Homoeopathy",1991, Eigenverlag, Indien
- Schrag Urs "Homöopathische Selbst behandlung im Alltag",1995, AT Verlag
- Vithoulkas Georges "Die Wissenschaffliche Homöopathie", 1986, Burgdorf-Verlag
- "Das grosse Buch der Heilmetho den",1992, Oesch Verlag
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Zum Autor:
Emil Breu, Dr. med., ist Facharzt für Allgemeinmedizin FMH und Arzt für Homöopathie SVHA. Seit 1990 betreibt er eine homöopathische Hausarztpraxis in Bern.
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